Seit Jahrzehnten wurde in Österreich über die Notwendigkeit einer einheitlichen Mountainbike-Strategie diskutiert. Während der Sport boomt – allein 2022 wurden rund 200.000 Mountainbikes verkauft, die Hälfte davon E-MTBs – blieb die Rechtslage schwierig. Denn, nach dem Forstgesetz von 1975 ist Radfahren im Wald grundsätzlich verboten. Daraus ergaben sich Konflikte zwischen Biker:innen, Grundbesitzer:innen, Forstwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und anderen Stakeholder:innen. Was lange wie ein unlösbares Spannungsfeld wirkte, führte über die Jahre zu Flickwerk-Lösungen, dem Aufkommen von touristischen Bike-Hochburgen und eben vielen illegal befahrenen Trails.
Jeder Trailmeter erfordert eine doppelt und dreifache Absicherung. Doch aufgrund des hohen Anteils privater Waldflächen in Österreich ( je nach Quelle zwischen 80-90 %) braucht man für etwaige Vertragslösungen einen langen Atem und ein dickes Fell, falls ein Grundeigentümer die Leidenschaft mit dem Biken nicht teilt. Um zu sehen, dass daraus Konfliktpotential wächst, muss man nicht Politik studieren.
Dieses Problem hat man nach langem Schweigen auch auf Bundesebene erkannt und daraus Konsequenzen gezogen: Die Ausschreibung nach einer geeigneten MTB-Koordination für die Umsetzung der Mountainbike Strategie war die Folge. Die Stelle selbst wird in vier Ministerien (Sport, Forst, Tourismus, Mobilität) angesiedelt sein.
Nun ist es offiziell: Karl Morgenbesser und Thorsten Schmitz haben den Zuschlag für die österreichische Mountainbike-Koordinationsstelle erhalten. Ihr Ziel ist es, bis 2026 die vom Bund vorformulierte Strategie in handfeste Maßnahmen zu übersetzen, um eine bedarfsgerechte Infrastruktur zu entwickeln.
Beide kennen die Materie wie den Inhalt ihrer Hip Bag. Mit der Wexl Trail Area konnte Karl Morgenbesser bereits ein Skigebiet im niederösterreichischen St. Corona in eine MTB-Erfolgsgeschichte verwandeln. Und Thorsten Schmitz bringt seine Erfahrung aus dem Sporthandel – unter anderem als CEO von Intersport Austria – ein, ist selbst zertifizierter MTB-Fahrtechniktrainer und seit Jahren fester Bestandteil im Downhill-Rennzirkus. Man kann also ruhigen Gewissens meinen, dass durch die Adern beider Akteure mittlerweile Bremsflüssigkeit fließt, was unsere Vorfreude auf erste Ergebnisse im Spannungsfeld zwischen Freizeit, Tourismus und Forstwirtschaft nur noch steigert.


Ein zentrales Instrument zur Legalisierung von Trails bleibt das sogenannte Vertragsmodell: Gemeinden, Tourismusorganisationen oder Vereine schließen mit Waldbesitzer:innen Verträge ab, um Haftungsfragen und Verantwortungen zu klären. Doch gerade dort, wo kein direkter (Sport-)touristischer Nutzen im Vordergrund steht – etwa in kleineren Gemeinden oder abseits der klassischen Urlaubsregionen – tragen lokale Mountainbike-Vereine oft eine große Last. Sie übernehmen nicht nur die Rolle des Vertragspartners, sondern kümmern sich auch um die Wartung, Beschilderung und Instandhaltung der Trails. Das bedeutet neben ehrenamtlicher Arbeit auch finanzielle Belastung: vom Materialeinsatz für Reparaturen bis hin zu Versicherungen.
Wir setzen mit TRAILOMAT genau an dieser Stelle an, möchten den Vereinen den Rücken stärken und ihnen auf ihrem Weg zum Ausbau von Trails zeigen, wie viel Wertschöpfung sie mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit schaffen.
Du bist Teil eines aktiven MTB-Vereins und Ihr braucht Geld für Trails, Werkzeug, Schilder und Co? Dann solltest Du Dich mit dem TRAILOMAT vertraut machen!
Anders stellt sich die Situation in und rund um urbane Ballungsräume wie Salzburg und Innsbruck dar. Hier ist der Bedarf an legalen Trails zwar besonders hoch, doch das Vertragsmodell stößt an Grenzen. Grundbesitzer:innen sehen in der finanziellen Entschädigung kaum einen Anreiz, ihre Flächen freizugeben. So entstehen Lücken im Angebot gerade dort, wo die Nachfrage am größten ist. Für Vereine bedeutet das zusätzliche Hürden: Ohne Unterstützung durch Gemeinden, Bundesländer oder kreative Spendenmodelle sind Trails in stadtnahen Räumen nur schwer durchsetzbar.
In den kommenden Monaten wollen Morgenbesser und Schmitz ihre Koordinationsstelle als Wissens- und Informationsdrehscheibe etablieren. Im Laufe des Jahres startet dann ein breit angelegter Stakeholder-Prozess, in dem Waldbesitzer:innen, Tourismus, Politik, Sportverbände, Naturschutzorganisationen – und explizit auch Vereine – eingebunden werden. Bis Ende 2026 soll eine konkrete MTB-Strategie vorliegen, die anschließend in Maßnahmen umgesetzt wird. Ziel ist ein legales, leistbares und österreichweit zugängliches Streckennetz – unabhängig vom Wohnort oder Geldbeutel.
Die Herausforderung bleibt groß: Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig betont die Notwendigkeit klarer Verträge zum Schutz der Wälder, während der Tourismus die wirtschaftliche Bedeutung des Radsports hervorhebt. Auch Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt unterstreicht, dass Mountainbiken „unabhängig vom Wohnort und der eigenen Geldbörse“ möglich sein müsse.